Kölner `Gartenzwerge` immer noch besetzt
aus Wagendorf, der freien Wissensdatenbank
[Köln] Runder Tisch für Gartenzwerge
Der bis dahin platzlose Kölner Wagenplatz Gartenzwerge besetzt seit 5 Wochen ein zum Abriss bestimmtes städtisches Gelände in der Schmalbeinstraße 28. Die anfänglichen Räumungsandrohungen wandelten sich bald in Gespräche mit dem Liegenschaftsamt über ein mögliches Ersatzgrundstück.
Nach vier Wochen Ackern am Verhandlungstisch haben sich die Gartenzwerge eine Woche ihrer eigentlichen Aufgabe gewidmet: Dem Gärtnern. Es wurde gesäht, umgetopft, Pflanzen adoptiert, Rasen geschnitten und jeden Tag alles penibelst gegossen, getreu dem Motto folgend: Egal obs regnet oder nicht, ein Gartenzwerg tut seine Pflicht! Jetzt ist alles grün, der Beton fast verschwunden, die Karren auf Hochglanz und der Zaun zu den Nachbarn tip top nach deren Wunsch aus tatsächlich gewachsenem Bambus blickdicht auf 3m Höhe. Herzlichen Glückwunsch, Gartenzwerge! So sollte das Leben doch weitergehen...
...tut es aber nicht. Nach dieser Woche schönsten Gartenurlaubs geht es nun wieder darum, das zuhause zu verteidigen und um einen neuen Platz zu verhandeln. Für Anfang der kommenden Woche ist ein Runder Tisch mit sämtlichen Beteiligten geplant: Gartenzwerge, führende Politiker von SPD, Grünen, Linke sowie natürlich den Verantwortlichen und Ansprechpartnern des Kölner Liegenschaftsamtes. Die Gartenzwerge bringen als Gäste selbstverständlich den Kaffee mit und lassen die Katze samt Koffer zu Hause.
Kaffee, Klatsch und Gartentipps gibts auch für Gäste, die zum "Kaffee mit Plätzchen mit Blick auf Rollrasen" mittwochs ab 18 Uhr vorbeikommen.
ältere News
Der bis dahin platzlose LKW-Wagenplatz `Gartenzwerge` hat am 10.5. ein zum Abriss vorgesehenes Gelände in der Schmalbeinstraße 28 besetzt. Nach zwei Räumungsaufforderungen und einer drohenden polizeilichen Räumung am 24.5. hat sich die Lage nun stabilisiert. Verhandlungen mit dem Liegenschaftsamt um ein adäquates Ersatzgelände sind im Gange.
ai-ho ai-ho ai-ho!
Klammheimlich besetzten die Gartenzwerge mit ihren 13 LKWs eines der leer stehenden städtischen Gelände der Schmalbeinstraße. Die Nachkriegsbauten, die in Zeiten der durch die Zerstörung Kölns im Zweiten Weltkrieg entstandenen Wohnungsnot erbaut worden, sollen nun abgerissen werden. Entstehen sollen hier, wie auf den anliegenden Flächen bereits geschehen, weitere Schrebergärten. `Schrebergärten`, dachten sich die Gartenzwerge `da passen wir hin!` Zumal die Gelände bereits seit einiger Zeit ungenutzt waren und der Abrisszeitpunkt ungewiss war.
Zunächst unbemerkt von der Stadt machten sie sich daran, das Gelände nutzbar zu machen, asoziale Nägel zu entfernen und Müll zu entsorgen. Die Nachbarn aus der Schrebergartensiedlung brachten Geschenke vorbei und freuten sich, dass das leer stehende Gelände nun wieder genutzt wurde. Nach einer Woche erfuhr die Stadt von ihren kleinen illegalen Untermietern und stattete ihnen einen leicht genervten Besuch ab. Die erste Frist zur Räumung des Geländes wurde ausgesprochen: die Gartenzwerge sollten innerhalb der nächsten 24 Stunden wieder dorthin verschwinden wo sie hergekommen waren: auf verschiedene Parkplätze der Stadt Köln, um dann wieder vom Ordnungsamt aufgefordert zu werden, am nächsten Tag doch bitte wegzufahren...
Das wollten sie aber nicht. Gartenzwerge gehören nunmal nicht auf Parkplätze. [Nur zur Info: die Kölner Wagenplätze sind chronisch voll und es leben mindestens 50 Menschen in LKWs und PKWs in den Straßen und auf Parkplätzen. Es kann nicht sein dass sich die Leute auf den Plätzen schon stapel und immer noch so viele auf der Straße stehen. Alle haben das Recht so zu leben wie sie leben möchten!]
Nun machten die Gartenzwerge einige Besuche bei städtischen Beamten (oder Angestellten?), klapperten sowohl Politik (die Bürgermeister interessierte es einen feuchten Dreck), Wohn- und Versorgungsamt (die hätten nach der Räumung Obdachlosenzimmer und Tierheim besorgt) und Sozialschnickschnack (leider alle Verantwortlichen außer Haus) ab und landeten schließlich dort, wo alles angefangen hatte: beim Liegenschaftsamt der Stadt Köln, der Eigentümerin des Grundstücks.
Man kam überein, doch nicht sofort zu räumen, eine Nacht drüber zu schlafen (mit ausschlafen) und dann sich mal auf dem Gelände zu treffen. Das vorläufige Ende der Geschichte war eine Aufforderung, das Gelände dann einige Tage später zu räumen und parallel dazu ein Ersatzgelände zu finden. Denn, so das Liegenschaftsamt, die Bagger waren für das Gelände schon zum 1.6. bestellt worden, und wer der Verantwortliche wäre den Abriss aufzuhalten ließ sich nicht ermitteln. Denn dem Liegenschaftsamt sei das beauftragte Abrissunternehmen unbekannt (...ai-ho ai-ho ai-ho...)
Das Liegenschaftsamt schlug von sich aus einen Parkplatz vor, der unter Wäglern einen extrem schlechten Ruf erlangt hat: Ein No-Go für die Gartenzwerge. Sie schlugen dem Liegenschaftsamt ihrerseits an die 40 Gelände vor, die bis heute noch nicht alle geprüft werden konnten. Es sind viele städtische darunter, und einige sind als mögliche neue Standorte in Diskussion. Was die Gartenzwerge wollen: Ein befahrbares möglichst abgeschlossenes Gelände, gerne mit Grün und gerne mit Beton, groß genug für 13 Wägen, mit Möglichkeiten für Zu- und Abwasser. Strom können wir selber... Ab und zu mal umziehen ist auch okay, Mindestverweildauer an einem Platz ein halbes Jahr.
Als dann die neue Räumungsfrist mit dem 24.5. um 24 Uhr ablief war erneut eine polizeiliche Räumung angekündigt. Vereinzelt ließen sich grün- oder bläuliche Gestalten zu Erde und Himmel blicken. Am 25.5. kamen viele Zwergfreunde dazu, den Platz mit Frühstück, Federball, Samba und Wasserpistolen zu unterstützen. Tausend Dank, ihr wart superspitzenklasse!! Die parallel laufenden Verhandlungen mit dem Liegenschaftsamt sowie deren interne Verhandlungen mit ihrer Rechtsabteilung kamen zu dem Schluss: Es wird auf zivilrechtlichem Wege eine Räumungsklage erhoben, die eine legale Räumung ermöglicht für den Fall dass die Verhandlungen um ein Ersatzgelände platzen. Das heißt: Die Verhandlungen haben Vorrang, und eine Räumung steht erstmal nicht an.
Was angekündigt ist, sind Personalienkontrollen als Grundlage für die Klage (pah! Zwerg ist Zwerg!) Und erstens werden wir nicht geräumt weil wir ja nen neuen Platz wollen und zweitens wissen die ja gar nicht wer dann wirklich geräumt wird. Also Quatsch mit Knoblauch, wenn ihr, liebe eingeladenen Gäste, kontrolliert werdet, macht euch ma keinen Kopp...
Nun denn, jetzt wird erstmal weiter gesucht und verhandelt, Rasen und Rosen gegossen sowie Basilikum und Schnittlauch. Und: Gartenzwerge freuen sich über Besuch! Und über Geschenke! Und über Sonne! Und über Gäste mit Laster!
ai-ho ai-ho ai-ho!
++++breaking news+++++
Neustes aus dem Zwergenland
Montag, 31.05.2010, 6h morgens.
Vor unserer Tür standen: 2x Liegenschaftsamt, 2x Polizei(mit Mützchen),1x Türaufbrecher("Ich bin von der Polizei!").
Nach für diese Uhrzeit ausführlichen diplomatischen Gesprächen...
Gartenzwerge: "Ihr habt ja noch nicht mal nen Kaffee mitgebracht!"
...verzogen sich 17 beleidigte Zwerge unter den Rollrasen und drei Verhandlungszwerge hielten tapfer die Stellung.
Liegenschaftsamt:"Kaffee gibt´s später, wenn ihr mich besuchen kommt. Wir brechen die Tür auf, wenn ihr nicht aufmacht (aufwacht)!" Gartenzwerge: "Wir lassen keine Katze im Koffer rein, sondern nur zwei von euch, einen mit und einen ohne Mützchen."
Un so war es - sie zogen von dannen mit drei geheimen Zwergenidentitäten (zu Risiken und Nebenwirkungen fragen sie unseren Hausapotheker, Gartenzwerg Nr.13)und einer dreifachen Rüge, nicht die Klingel benutzt zu haben.
ai-ho, ai-ho, ai-ho Eure Gartenzwerge.
P.S.an jetz jeden Mittwoch 18 Uhr Infotreffen/Kaffee+Plätzchen >Wissenswertes über Zwerge >so könnt Ihr uns unterstützen KOMMT VORBEI!
Stand nach 4 Wochen Besetzung:
Die Lage des besetzten Kölner Wagenplatzes Gartenzwerge in der Schmalbeinstraße 28 stabilisiert sich. Nach diversen Räumungsbedrohungen wird nun der friedlichen Lösung Vorrang gewährt. Mittlerweile diskutieren Gartenzwerge, Liegenschaftsamt, Presse und Politiker von RotGrünLinks munter kreuz und quer. Natürlich kommen erstmal lustig unterschiedliche Ideen der Politiker:
Politiker A: Geht doch nebens AZ! Das wär doch super!
Gartenzwerge: Was?! Hausmeister spielen? Nee...
AZ: Was?! Nee so war das nicht gedacht, Gartenzwerge als Hausmeister!
Politiker B: Was?! Das ist indiskutabel! Bleibt doch einfach da wo ihr seid und wir reißen um euch herum ab. So ein Wagenplatz lässt sich zwischen den Schrebergärten bestimmt super in den Bebauungsplan integrieren!
Gartenzwerge: Aha? ...
Wir sind gespannt, was da alles noch für Vorschläge kommen. Uns fallen ein:
1. auf den neu gebauten kranähnlichen Bürokomplexen im Rheinauhafen mit Rundumblick über Köln
2. im Stadtgarten als Kunstprojekt mit Glastüren und 24 Stunden Security
3. in Vogelsang in einem Vorgarten wo eh schon Gartenzwerge sind
Um die Diskussion zu erweitern ohne alles 70mal erzählen zu müssen haben wir Presse und Politikern ein Geschreibsel zukommen lassen. Teile der Presse waren auch schon da...und haben uns das obige Foto geschenkt...
Wir sind gespannt was die näxten Werktage da so bringen werden;-)
Hier ist unsere Presse- und Politikermitteilung:
Sehr geehrte Damen und Herren, lieber Stadtrat!
Ai-ho, ai-ho, ai-ho!
Wir sind eine bunte Gruppe von 20 Kölnern - Freischaffende, Künstler, Handwerker - die in insgesamt 13 LKWs wohnen. Da wir bisher keinen Platz hatten, haben wir auf verschiedenen Parkplätzen gestanden, sind ständig vom Ordnungsamt weggeschickt worden und haben mehr als einmal uns und unsere Wägen (teils sehr seltene Oldtimer) vor Angriffen beschützen müssen. Darauf haben wir keinen Bock mehr.
Auf den bereits existierenden Wagenplätzen Kölns stapeln sich die Menschen schon; außer uns wohnen noch einige Dutzend Menschen in Köln in ihren PKW und LKW auf der Straße. Der Stadt - obschon sie einige Wagenplätze hat - fehlt es immer noch an Flächen, die zum Wohnen im Wagen genutzt werden können. Auch ein adäquater Stellplatz für Sinti und Roma wurde trotz Ratsbeschluss immer noch nicht zur Verfügung gestellt. Jeder Mensch hat das Recht, so zu leben wie er oder sie möchte. Die Entscheidung im Wagen zu leben ist eine freiwillige und wir sind nicht bereit, unsere Lebensform zu ändern... Da unsere Bemühungen, auf legalem Wege an ein bezahlbares Grundstück zu kommen gescheitert sind, haben wir am 10.5.2010 mit der Schmalbeinstraße 28 ein städtisches Gelände als temporären Wagenplatz besetzt. Das Gelände soll in naher Zukunft (laut Liegenschaftsamt innerhalb der nächsten Wochen) abgerissen werden soll. Wir wollen und werden aber nicht zurück auf die Straße gehen. Wir wollen einen Platz, auf dem wir gemeinsam leben können und uns sicher und zu Hause fühlen können.
Wir sind bereit eine geringe Pacht für ein Gelände zu zahlen. Gering, weil wir vieles selber werden machen müssen, und weil die LKWs an sich in ihren Unterhalts- und Reparaturkosten schon nahe an einen Wohnungsmietpreis herankommen. Das Gelände muss an Zu- und Abwasser angeschlossen werden können und mit LKW befahrbar sein. Sollte der Platz eine zeitliche Perspektive haben würden wir gerne ein alternative Kläranlage bauen. Die Möglichkeit eines festen (Stark-)Stromanschlusses wäre prima; unseren alltäglichen Strom beziehen wir größtenteils aus Solarpanelen. Unser Idealplatz wäre eine Kombination aus Betonfläche und Grün, wie sie beispielsweise auf ehemaligen Militärgebieten existiert. In diesen Gebieten (die bereits versiegelte Flächen aufweisen) sollte es auch keine Probleme bereiten, wenn sie in Landschafts- oder Wasserschutzgebieten liegen.
Da es in Köln viele städtische ungenutzte Gelände gibt würden wir gerne ein uns zusagendes Gelände in Bälde als Gartenzwergplatz beziehen. Dementsprechende Verhandlungen mit dem Liegenschaftsamt (unser Ansprechpartner ist Stephan von Wahl, beauftragt von Herrn Jenniges, dem Leiter des Liegenschaftsamtes) sind bereits im Gange. Das uns angebotene Parkplatzgelände nahe der Stegerwaldsiedlung haben wir aufgrund der örtlichen Gegebenheiten (zu klein, nicht umfriedet, tagsüber Parkplatz für Kleingärtner, nachts Umschlagplatz diverser dubioser Geschäfte und Treffpunkt für Jugendliche) ablehnen müssen. Wir werden kein Gelände beziehen, das Konflikte vom ersten Tag an garantiert.
Wir haben unsererseits eine lange Liste ungenutzter Grundstücke zusammengetragen, die wir nun gemeinsam mit dem Liegenschaftsamt durchgehen.
Das Liegenschaftsamt hat uns zugesichert, den Verhandlungen Vorrang vor einer Räumung zu gewähren. Ob jedoch letztendlich der (politische) Wille vorhanden sein wird, uns ein passendes Gelände zu akzeptablen Konditionen zu vermieten, ist noch nicht klar. Auch nicht, welche Tücken der Vertrag, den wir als Verein unterzeichnen wollen, bereit halten mag. Hier ist möglicherweise auch Ihre Meinung und die Einflussnahme gefragt.
Sollten Sie noch Fragen, Vorschläge oder Anregungen haben, kontaktieren Sie uns bitte per Mail (wagenplatz.gartenzwergeÄTweb.de) oder rufen Sie uns an: 0176-77160470 Vielen Dank für Ihre Unterstützung!
Gartenzwerge gehören nicht auf Parkplätze! Einen wunderschönen Tag Ihnen allen,
Ai-ho, ai-ho, ai-ho, die Gartenzwerge.



