Laster- & Hängerburg (Berlin) soll für Sportplatz weichen!
aus Wagendorf, der freien Wissensdatenbank
Update (23.03.): Die nächsten Termine:
21.04.09 18:00 Uhr Öffentliche Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung und Bauen
29.04.09 17:00 Uhr Öffentliche Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg
BezirkspolitikerInnen von F'hain-K'Berg wollen am Mittwoch, den 18.02.09 die Weichen für eine Räumung der Laster- und Hängerburg an der Modersohnstrasse stellen!
Der Ausschuss Stadtplanung und Bauen soll ab 18:00 Uhr im Bezirksamt Yorkstrasse 4-11 entscheiden, ob mit Geld aus dem Konjunkturpaket II auf dem Gelände der L&H eine Sport- und Freizeitfläche gebaut wird. Wir werden ab 17:00 anwesend sein und ihnen zeigen, was wir von der Vertreibung alternativer Lebensformen als "Konjunkturmassnahme" halten.
Ironischerweise möchten Bezirkspolitiker Geld aus dem Konjunkturpaket II, das zur Eindämmung der Folgen der Finanzkrise vorgesehen ist, zur Gentrifizierung [1] des Friedrichshainer Kiezes nutzen.
Eine nicht unbeträchtliche Summe aus dem Konjunkturprogramm II soll in den Neubau einer Sport- und Freizeitfläche an der Ecke Modersohnstrasse / Revaler Strasse fliessen. Damit würde der Hundeauslaufplatz und die Wagenburg Laster & Hänger als ein weiterer Bestandteil der Geschichte von Berlins Alternativkultur aus dem Stadtbild verschwinden.
Jedenfalls soll das im Ausschuss für Stadtplanung und Bauen am 18.2. um 18 Uhr im Bezirksamt Yorkstrasse 4-11 in öffentlicher Sitzung beschlossen werden. Eine ausgezeichnete Gelegenheit um der Ausschussmitgliedern zu zeigen, dass man ihre Absichten bezüglich Umstrukturierung und Vertreibung von Berliner Alternativkultur nicht teilt.
Auf der Wagenburg leben junge Familien mit 18 Kindern - die meisten davon im Vorschulalter. Die Verantwortung für diese Mitbürger haben die verantworlichen Parteien im Bezirk wohl übersehen oder aus den Augen verloren.
400 Meter oder 4 Minuten Fussweg von der neu zu planenden Sportfläche entfernt liegen die Sportflächen "Lasker Sportplatz" an der Modersohnstrasse südlich der Modersohnbrücke (Eingang Modersohnstr.49) [2].
Diese haben einiges zu bieten: Sportplatz Rasen - Großspielfeld 66 x 100m mit Tribüne mit ca. 1000 Stehplätzen Kunstrasen - Großspielfeld 64 x 94 m mit Beleuchtung Kunstrasen - Großspielfeld 62 x 94 m mit Beleuchtung Kunststoff - Spielfeld 29 x 57 m 400 m - Rundlaufbahn / Kreisbogenbahn - Asche mit 5 Laufbahnen 6 Tennisfelder Sand Umkleide- und Sanitärtrakt
Es hat offensichtlich wenig Sinn eine Sportfläche in die Nähe eine anderen zu klotzen die derartig üppig ausgestattet ist, nur damit sich der statistisch avisierte Richtwert an Sportfläche pro Kopf der Bevölkerung hochrechnen lässt.
Schon einmal - zwischen Oktober 2000 und der Ansiedlung an der Modersohnstrasse Anfang September 2001 - wurde die Wagenburg durch die Stadt gehetzt und sollte durch ein massives Polizeiaufgebot aus der Stadt vertrieben werden. Damals wurden alleine in den ersten drei Wochen über 500 Polizeibeamte eingesetzt. Eine Hundertschaft übernahm sogar die ganztägige Überwachung und Kontrolle in zwölfstündigen Schichten. Das war nicht ganz billig - aber für soziale Umstrukturierung und gewaltsame Vertreibung von kulturellen Alternativen greifen die Bürgerinnen und Bürger sicher auch in Zukunft gerne tief in die Tasche.
Auch die Strategie, der Bevölkerung ein Alternativangebot in Form einer Sport- und Freizeitfläche im Tausch gegen die Wagenburg zu machen wurde schon einmal von der Mehrheit der BVV abgelehnt.
Wie soll der Neubau von Sportflächen am vorgeschlagenen Standort begründet werden, wenn für den Erhalt und den Betrieb bestehender öffentlicher Anlagen weiterhin kein Geld da ist?
Ein Program nach dem Motto "Berlin soll langweiliger werden" und "Touristen aus aller Welt reisen nach Berlin um geschlossene Kinderspielplätze, einsturzgefährdete Schulen und brachliegende Sportplatzneubauten zu sehen" entspricht sicher den Idealvorstellungen der anwohnenden Bevölkerung.
So stellen sich Wählerinnen und Wähler dringend benötigte Investitionen in die öffentliche Infrastruktur vor. Eben jene vernachlässigte öffentliche Infrastruktur die seit Jahren unter der Finanzierung der Milliardenverluste aus dem Berliner Bankenskandal zu leiden hat.
Die einst so lebendige Alternativkultur, welche das Leben dieser Stadt über die Grenzen Europas hinaus interessant gemacht hat, sieht sich seit vielen Jahren dem Druck der Verdrängung und Vermarktung gegenüber. Die Nischen der Stadt sind kleiner, teurer und weniger zahlreich geworden. Die Stadt verliert ihren unverwechselbaren Charakter. Vielleicht ist das Leben in Berlin bald ebenso spannend und unverwechselbar wie ein Kneipenbesuch in Klein-Dingelsdorf.
homepage: http://lasterundhaengerburg.de




