News:Ich habe (k)ein akzeptables Grundstück für Sie
aus Wagendorf, der freien Wissensdatenbank
von: Oli Veröffentlicht: Thu, 08-Dec-2005
"Ich habe ein akzeptables Grundstück für sie, wir sollten einen Termin ausmachen", so klang es vor wenigen Tagen aus dem Rathaus. Der Wind schien sich geändert zu haben, und die Bauwägler waren gespannt auf den Termin, auf das Grundstück, das vorgeschlagen würde. Womöglich die Belohnung für viereinhalb Jahre Öffentlichkeitsarbeit und Aktionen?
Der neue Oberbürgermeister, seit Juli im Amt, hatte in den Vorgesprächen erklärt, er wolle suchen, er wolle aber auch eines finden - dieser Passus fehlte beim Vorgänger aus den CDU-Reihen. Das Grundstück, das er nun vorschlug, war eines der beiden Grundstücke, die im Frühjahr schon einmal zur Auswahl standen, um eine Räumung zu verhindern. Beide Grundstücke haben untragbare Bedingungen, beide dicht an der Autobahn, das eine ein wenig geschützt durch einen kleinen Wall, dafür unmittelbar vor einem Mietshaus (keine 10m) mit deutlich anderem Klientel, was Streß verursachen wird, das andere direkt neben der Auffahrt, dafür ohne Nachbarn - wofür die Entscheidung im Frühjahr fiel, um eine Räumung so kurz vor dem Amtsantritt des neuen Oberbürgermeisters und damit neuen politischen Verhältnissen zu verhindern.
Es sei die einzige Chance, so erklärte nun der neue Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD), ein anderes Grundstück könne er uns nicht anbieten. 45 Grundstücke habe man geprüft. Vogel - friß oder stirb. Nicht zu vergessen: 45 Grundstücke wurden auch abgelehnt durch die Stadt!
Wenigstens eine Chance, nach viereinhalb Jahren einen festen Vertrag in der Tasche zu haben, so dachten die Bauwägler nach dem Gespräch, die Skepsis von damals noch im Nacken. Die nochmalige Ortsbegehung führte aber zu dem Eindruck, dass dieses Grundstück aus diversen (!!) Gründen nicht tragbar ist. Zu viele Ziele des Wohnprojektes wären auf diesem Grundstück nicht durchzuführen, das permanente Autobahnrauschen tut ein übriges. Es wäre ein Umzug vom Regen in die Traufe, der die Energie nicht lohnt, schon gar nicht mit einem langjährig bindenden Mietvertrag, der ja eigentlich gewollt ist.
Eine trotz allem nicht einfache Entscheidung folgte, denn wenn auch die Bewohner sich dieses Grundstück nicht vorstellen können, so ist der "Erfolg"; endlich wieder einen legalisierten Platz in Kassel zu haben, auch vielen UnterstützerInnen zu verdanken, und womöglich gäbe es ja Leute, die es sich auf diesem Grundstück vorstellen könnten.
Trotz allem - die Antwort war "NEIN". Der Oberbürgermeister (SPD) unterstrich bei einem weiteren Gespräch, in dem ihm von einer Delegation die Antwort präsentiert wurde, deutlich erstaunt, dass er dann nichts mehr tuen könne, eine erneute "Besetzung" würde auf jeden Fall, auch unter ihm, eine Räumung zur Folge haben, und dies sei sogar durch die Grünen gedeckt.
"Nichts ist schwieriger und nichts erfordert mehr Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: NEIN!" (Kurt Tucholsky).
Die Wagenbewohner haben NEIN gesagt. Verstärkt sind sie nun auf der Suche nach einem Grundstück von Privat. Immerhin "scheint" die Stadt nach der öffentlichen Kritik der letzten viereinhalb Jahre soweit zu sein, dass man die Bauwägler wohl nicht noch einmal auf Grund von Untätigkeit und fehlender Unterstützung in eine prekäre Situation wie am Hafen bringt. Dort intervenierte die Stadt nicht, als mit dem Verkauf des Hafengeländes die Zufahrtsstraße zum Wagenplatz verkauft wurde und die Probleme begannen.
Findet sich nun etwas von Privat, kann der öffentlich aufgebaute Druck der letzten Jahre und das Entschlußkräftige NEIN von jetzt bei der Legalisierung dann den Rücken stärken. Findet sich nichts, so werden sich die Grünen wohl bald sehr ernsthaft überlegen müssen, was sie eigentlich für eine Politik vertreten.
23 Jahre Wagenleben in Kassel - Wagendörfer haben viele Anhänger!



